Kuba ist anders
Im
folgenden beschreibe ich einige Eindrücke aus einem immer noch
unbekannten und dennoch – oder gerade deshalb – faszinierenden Land. Bei
meinen sechs Besuchen war ich nie als Tourist dort, sondern immer
geschäftlich oder zumindest semi-geschäftlich und habe mich mit
Taxifahrern genauso unterhalten wie mit Abteilungsleitern im
Außenhandlesministerium oder dem Management von größeren
Staatsunternehmen. Auch hatte ich die Gelegenheit, bei einem
Ministergespäch teilzunehmen und reiste bisher zweimal mit der
Delegation in Begleitung vom jetzigen Außenminister Sigmar Gabriel und
Ministerpräsident Stanislaw Tillich mit.Kuba ist Karibik, exotisch, eine Trauminsel, umrandet von Traumstränden. Aber das macht Kuba nicht anders. Es gibt viele karibische Inseln, denen man diese Eigenschaften genauso zuschreiben kann. Was die größte karibische Insel wirklich anders macht, ist ihre Geschichte, ihre Politik und ihre Kultur. Denn alle drei Aspekte sind widersprüchlich und reizvoll zugleich. Das Land, seine gesamte Situation, sind voller Gegensätze, die sich dennoch in einer sehr charmanten Art und Weise ergänzen.
Schon immer war Kuba ein bisschen USA – und das blieb die Insel auch nach der Revolution. Bis auf Japan ist Baseball nur noch Volkssport in den USA und Kuba, Fidel Castro war ein Baseball Spieler und dieses Mannschaftsspiel blieb „der“ Nationalsport. Havanna ist wie die großen Städte in den USA in Blocks unterteilt, die durch avenidas (avenues) voneinander getrennt sind. Das Capitol in Havanna ähnelt sehr stark dem gleichnamigen Gebäude in Washington.
Anders als im realsozialistischen System in der DDR war und ist die aktive Teilnahme am politischen System, sei es Mitgliedschaft in der Partei oder in den Jugendorganisationen, keine Voraussetzung für einen universitären Abschluss. Es zählte nach Auskunft jungerMenschen einzig und allein die Befähigung zum universitären Abschluss.
Mittlerweile gibt es auch einen privaten Sektor in Kuba (laut Raul: „Kuba es todos“), in denen seit Kurzem auch Mitarbeiter beschäftigt werden können und seit dem Tod Fidel Castros wird von offizieller Seite das Wort „Sozialismus“ gemieden. Privatunternehmen können Einzelperson (etwa Freiberufler, „Casa Particulares“ wie Bed&Breakfast“) sein, Einzelunternehmen oder Kooperativen. Zwar gibt es so etwas wie Umsatzsteuern (10%) und Gewinnsteuern (35% auf den Nettogewinn, also nach Einkommensteuer). Ob es aber eine effektive Steuerverwaltung zu gibt, erscheint fraglich. Kooperativen werden den Selbständigen steuerlich bevorzugt und zahlen regelmäßig einen herabgesetzten Steuersatz. Ist der Steuersatz für Unternehmen relativ gering, so ist die lineare Progression der Einkommensteuer hoch, 50% bezahlt man bei einem Jahreseinkommen von 2.000 US$.
Straßenbild
Seit
dem ersten Besuch in 2011 haben sich die Straßen in Havanna verändert.
Die amerikanischen Oldtimer – noch vor sechs Jahren in den Straßen
prägend – sind mittlerweile in der Mehrzahl für Touristen unterwegs.
V.a. US-Touristen, die es offiziell gar nicht geben dürfte, nehmen die
Gelegenheit wahr, in Autos der vor-vorherigen Generation umhergefahren
zu werden. Jetzt kann man neben koreanischen, japanischen und weniger
chinesischen Autos auch viele deutsche Marken wie Mercedes, Audi, und
BMW sehen, sogar ein nagelneuer Range Rover war dabei – und es war kein
Regierungswagen. Eigentlich darf man sie nicht einführen, dennoch gibt
es sie hier. Eine deutsche Botschaftsangehörige meinte dazu, wenn man
weiß, wie es trotzdem geht, hat man Kuba verstanden – das sei eben der
„kubanisch-sozialistische Weg“.In Havanna gibt es jede Menge private Restaurants, in denen man ausgezeichnet Essen kann. Mit viel Einfallsreichtum und unternehmerischen Engagement schaffen es die Unternehmer trotz vielen Hindernissen, die Ihnen seitens der Regierung immer noch in den Weg gelegt werden, eine sehr gute Ausstattung hinzubekommen und eine wirklich exzellente Auswahl von Speisen bereitzustellen. So dürfen die Restaurant nichts importieren – aber die Mitarbeiter dürfen aus Auslandsreisen Dinge mit einführen. Also wird bei jeder Auslandsreise etwas mitgenommen oder „nachgeschickt“. Ich war im El Litoral am Malecon gleich neben der US-Botschaft – nach Aussagen das beste Restaurant Havannas.: Der Besitzer gehört zu den Neureichen und besitzt mehrere Häuser nebenan, alle an der Malecon. Schon jetzt ist abzusehen, dass bei vollständigem Fall des sozialistischen Systems er zu den Multimillionären gehören wird. Der Produktionssektor wird noch nicht privatisiert und man kann auch in diesem Sektor kein privates Unternehmen gründen. Meines Erachtens muss dies unbedingt erlaubt werden, sonst ist der der „kubanischen Wegs“ gefährdet.
Übrigens: Fidel Castro, das Vorbild vieler Jugendlicher, die einem „Sozialismus“ nahestehen, hatte ein Vermögen von über 700.000.000 Millionen Dollar angehäuft!#
Wirtschaft
Es
ist richtig, die Wirtschaftslage hat sich im Vergleich zu 2010 noch
weiter verschlechtert und die Bevölkerung veraltet. Diese Entwicklung
erstaunt angesichts dessen, dass Kuba immer noch als Entwicklungsland
angesehen werden muss. Grund: ich habe nur wenige junge Leute kennen
gelernt, die nicht entweder einen nahen Verwandten in Miami hatten, oder
nach Miami auswandern wollen. Kuba wird so – als Entwicklungsland – zum
Altenheim. Die schlechtere Wirtschaftslage muss allerdings im Kontext
der weltpolitischen Entwicklung gesehen werden. Tatsächlich brachten die
vorsichtigen Wirtschaftsreformen – Casa Particulares und kleine
privatwirtschaftliche Unternehmen – Fortschritte. Denn Kuba steht nun
auf eigenen Beinen, ohne einem großen Bruder Sowjetunion und dem
kleineren Bruder Venezuela, der selbst mit einer verheerenden
Wirtschaftslage zu kämpfen hat. Weit reichte die internationale
Solidarität der beiden Länder sowieso nie. Zwar stimmt es, dass
Venezuela den Kubanern Öl früher weit unter dem Marktpreis lieferte,
welches Kuba dann zu Weltmarktpreisen weiter verkaufte. Aber die
Verträge waren langfristig geschlossen. Als der Preis des Öls sank,
musste Kuba das Öl dennoch abnehmen, obwohl der Preis mittlerweile über
dem Weltmarktpreis lag.Die kubanische Wirtschaft hat ihre Stärken. Aufgrund des Bildungssystems gibt es die bestausgebildeten Fachkräfte in ganz Lateinamerika. Das muss man Fidel als Verdienst anrechnen. Sein Fehler war, dass er mit dieser Ressource nichts anderes anzufangen wusste als die Fachkräfte – v.a. Mediziner – als Tauschware für Rohstoffe zu nutzen und sie in andere Entwicklungsländer zu schicken. Der Reichtum Kubas besteht daneben aus der Ressource „Boden“. Es gibt einen Spruch, nachdem man nur ein Reiskorn auf dem Boden werfen muss, um 10 weitere zu bekommen. In Kuba gab und es gibt mehr als 260 Millionäre, davon sind 80% in der Landwirtschaft tätig. Millionäre gab es auch schon während der Zeit der revolutionären Phase. Daher ist der Rat eines meiner Gesprächspartner verständlich, private Investitionen v.a. in der Landwirtschaft zu tätigen.
Kuba ist, wenn nicht führend, doch sehr starkvertreten im Bereich Biomedizin. Die Arzneien werden „ökologisch“ aus den überreichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen des Landes hergestellt. So gibt es eine pharma-nahe Medizin, hergestellt aus Mangofrüchten, die nachweislich sehr gute Heilwirkungen im dermatologischen Bereichen, ja sogar in der Behandlung von bestimmten Krebsarten zeigt. Und sogar ein absolut kostengünstiges, natürlich hergestelltes Substituts von Viagra, das nach Aussagen eines Gesprächspartners bessere Wirkungen zeigen soll als das herkömmliche Viagra. Ok, das ist mir nur zugetragen worden…
Die Schwäche der Wirtschaft ist die Vermarktung ihrer Produkte. Brauchbare Marketingkonzepte gibt es nicht, die Verpackung ist schlecht aufgemacht und auf der Suche nach schnellem Geld wird allzu schnell die Partnerschaft mit Großkonzernen gesucht, statt den Markt von klein auf selbst aufzubauen.
Ein weiteres Problem stellt die Ansicht der Regierung dar – und man hört sie auf jeder Konferenz bei jeder Sitzung – dass man alles selbst produzieren muss – von Glasflaschen und Blechdosen bis hin zu Windeln. Diese merkantilistische Sichtweise wird von dem permanenten Geldmangel genährt, führt aber auf lange Sicht zu noch mehr Geldmangel. Denn die offensichtlich unsinnige Projekte verschlingen Kapazitäten, die man besser in gewinnbringende Sparten, wie eben natürliche medizinische und kosmetische Produkte, einbringen sollte. Die Idee der komparativen Kostenvorteile hat sich noch nicht bis in die Regierungskreise herumgesprochen, also schlicht der Spruch: Investiere in Deine Stärken und verschwende nicht Deine Ressourcen, um Schwächen abzustellen!
Die Regierung befindet sich in einem Dilemma: Freizügigkeit oder Begrenzung der Reisefreiheit? Noch 2015 konnte so gut wie jeder, der nicht in der Armee oder vom Staat angestellt war, relativ freizügig reisen. Mittlerweile wurde die Ausreise der Kubaner wieder erschwert, denn nicht nur die Überalterung der Bevölkerung macht Probleme, auch die Abwanderung hoch qualifizierter Kräfte, die in Kuba umsonst ausgebildet wurden. Andererseits stellen die Überweisungen von Auslandskubanern einen nicht unbedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Gelder, die dringend für die Umgestaltung des Landes, aber auch für das Gelingen der immer noch zu zögerlichen Wirtschaftsreformen notwendig sind.
Ein
weiteres Dilemma der kubanischen Regierung ist das Wirtschaftssystem.
Seit dem Ableben des Maximo Líder spricht man zwar offiziell nicht mehr
vom Sozialismus, Raúl Castro nennt den Zustand Kubas „ es todos“, aber
gerade die Großunternehmen sind voll in staatlicher Hand. Verbal ist der
Sozialismus tot, die Inschriften („el partido es la vanguardia de la
patria“) verblassen und werden nicht mehr gepflegt. Soll man nun die
Wirtschaft weiter öffnen, insbesondere die Industrie, und die Übernahme
der Ökonomie durch die USA riskieren oder “sozialistisch” halten, und
damit Niedergang riskieren, was aber auch die Übernahme durch die USA
wahrscheinlich macht? Ein schwieriges Entscheidungsproblem, bei dem der
entwicklungstheoretische Ansatz von Schumpeter vielleicht hilfreich
wäre. Mittlerweile sind schon viele amerikanische Unternehmen mehr oder
weniger versteckt in Kuba tätig. Schon 2011, während der FIHAV in
Havanna, entdeckte ich einem etwas abgelegeneren Zelt einen Stand
Kellog’s Cornflakes oder eine Werbung für eine Fährverbindung von Miami
nach Havanna. Wie denn das? 2011 unterlag Kuba noch voll dem Embargo und
die USA hat noch keine diplomatischen Beziehungen. Dennoch: die
US-Firmen war da, mitsamt US-amerikanischer Beflaggung. Und jetzt 2016,
feierte man auf einem Stand die Erneuerung der
US-amerikanisch-kubanischen Beziehungen. Ziel des US-Embargos war schon
lange, spätestens seit Ende der Sowjetunion, nicht mehr Kuba zu
bestrafen, sondern mögliche Konkurrenten vom kubanischen Markt
wegzuhalten. Und die Straßen von Havanna sind voller US-amerikanischer
Touristen, was sie eigentlich nicht sein dürfen nach immer noch
bestehenden Embargoregeln, und so gibt es immer einen Verwandten in
Kuba, den man aus „humanitären Gründen“ besuchen will… US-Unternehmen
können mittlerweile sogar die Mehrheit bei Joint Ventures bekommen. So
hält Unilever 70% am Gemeinschaftsunternehmen und hat damit das Sagen..
Andere große Unternehmen wie Heinicken stehen “Gewehr bei Fuß“ vor der
Grenze.tuKola
tuKola ist das Pendant zu Coca Cola. Aber es passt einfach besser zum kubanischen Lebensstil – und zu Cuba Libre. Es ist nicht so süß, die Süße ist eben etwas anders als in Coca Cola, das es seit 2012 wieder in Kuba gibt. Dennoch sind beide im Geschmack sehr verwandt. Leider wurde auch schon tuKola übernommen und wird von Nestlé Waters verwaltet. Meine Messehostess, Kubanerin, mag tuKola nicht, ihr schmeckt Coca Cola viel besser. Aber sie mag auch “Red Bull” lieber als ein Caipirinha, ein vollkommen natürliches Getränk, das mittels einer Rollenquetsche, eine Art Foulard, aus Zuckerrohr, Limonette und Ananas gewonnen wird. Vielleicht liegt es auch dran, dass sie Kuba in Richtung Miami verlässt und das Kubanische hinter sich lassen will. Ich halte Caipirinha für das viel bessere Red Bull, weil es natürlich hergestellt ist.
Internet
Das Internet in Kuba ist nicht vorhanden. Jedenfalls im Vergleich zu allen übrigen Ländern, von Nordkorea mal abgesehen. Aber es ist – wo man es empfangen kann – nicht zensiert. Man erreicht alle Seiten und Nachrichten aus aller Welt, aber es fehlt an der Netzabdeckung. Wo es per Wlan erreichbar ist, ist das Netz recht schnell, bis zu 150MB/s. Und dort, an den Access Points, versammeln sich Kubaner jeden Alters, um mit ihren Smartphones die Welt in sich aufzusaugen. Also bitte nicht wundern, wenn vor jedem Hotel und vor Messehallen scheinbar halb Kuba im Gras sitzt. Früher war das Netz sehr träge und die Oberste Heeresleitung, die Regierung, machte die USA dafür verantwortlich, weil keine Leitung zwischen Florida und Kuba gebaut werden surfte. Tatsächlich gab es aber schon seit Jahren eine ultraschnelle Leitung zwischen Venezuela und Kuba. Erst jetzt scheint sie auch tatsächlich genutzt zu werden.Das Nationalmuseum der Revolution
Nach
6 Jahren besuchte ich wieder einmal das nationale Revolutionsmuseum,
nur zwei Häuserblocks vom Hotel Parque Central entfernt. Es ist die
kubanische Antwort auf das Leninmausoleum in Moskau, denn hier steht
die Granma, das Boot, auf dem Fidel Casto, Ernesto Guevara und Camilo
Cienfuegos mit einer kleiner Schar von Revolutionären in Kuba ankamen,
in einem Schrein aus Glas, immer frisch geputzt und wie eine Mumie
aufbereitet.Das Museum hat viele Skurilitäten zu bieten, wie z.B. Castros linkem Schuh, den er irgendwann irgendwo bei irgend etwas verloren hat, oder Hemden und sogar die Baskenmütze von Guevara.Verwirrend und zugleich entlarvend finde ich die Karikaturen im Gang zum Heiligtum der Granma. Drei US-Präsidenten (und Batista) werden in einer Weise dargestellt – Bush Senior, Reagan und Bush Junior – wie man es nur aus der dunkleren Geschichte Deutschlands kennt. Egal, wie man politisch eingestellt ist, lustig kann man das nicht finden. Die Texte unter den „Karikaturen“ sind jedoch erhellend. Immer wieder wird den Präsidenten “ironisch” gedankt, dass sie Kuba (und das System) durch ihre Politik unterstützt hätten. Man war sich also schon seit jeher bewusst, dass die USA die beste Ausrede für den erbärmlichen Zustand der Wirtschaft darstellt. Wenn man Lust auf Revolutionsnostalgie, gepaart mit unfreiwilliger Komik hat, dann sollte man das Museum besuchen. Übrigens: die 2011 gefundene Inschrift “Stop Castro”, mit dem Finger auf ein staubiges Piano geschrieben, hat man wohl entdeckt, der Deckel glänzt ganz staubfrei.
War
die Revolution national oder sozialistisch?
Sie war letztendlich fidelistisch. Noch heute wird Camilo Cienfuegos
verehrt, der die nationalistisch-anarchistische und bäuerliche
Komponente der Revolution darstellte. Unter nie geklärten Umständen kam
er bei einem Flugzeugunglück in 1959 ums Leben. Übrig blieben der
stalinistisch geprägten Guevara sowie Fidel Castro. Als auch Guevara
verschwand – ein Umstand, den Fidel Castro sicher nicht bedauerte, und
dann auch noch ums Leben kam, hatte Castro zwei Märtyrer der Revolution,
die er feiern lassen konnte. Fidel Castro aber war sicher weder das
eine noch das andere. Er hatte die Revolution den Bauern zu verdanken,
das wusste er immer zu würdigen und Bauern genossen im gewissen Sinne
Privilegien. Zum Kommunisten mutierte der, Anfangs pro-US-amerikanisch
eingestellte Revolutionär aufgrund der unintelligenten, harten Haltung
der USA und deren Gegnerschaft gegen die Bodenreform. Das Verhältnis
schaukelte sich sehr schnell hoch und Fidel Castro suchte einen
Verbündeten für das verarmte Land, den er in Gestalt der Sowjetunion
fand. Das war sein eigentliches Motiv für den Sozialismus, nach Fall der
UdSSR war es wohl Altersstarrsinn, den ihn daran festhalten ließ.
Castro war extrem intelligent und Fidelist, nicht mehr, nicht weniger.“Special relationship”
Seit
2015 wurden wieder diplomatische Beziehungen zu den USA aufgenommen,
immerhin ein außenpolitischer Erfolg Obamas. Und selbst Trump –
berüchtigt ob seiner mehr oder eher weniger diplomatischen Kommentare
auf Twitter – stellt diese bisher nicht infrage. Das Botschaftsgebäude
der USA ist eine Machtdemonstration. Während die meisten
Botschaftsgebäude an der Avenida 5 liegen, baute die USA Ihres an der
Malecon, und zwar am nördlichsten und nächst gelegenem Punkt zu Key
West, nicht zufällig, vermute ich. Mit der Aufnahme der diplomatischen
Beziehungen endete auch der bis dahin bestehende und für beide Seiten
bequeme “Modus vivendi“: Während die USA einen Feind hatte, den sie für
die Exilkubaner und die amerikanischen Öffentlichkeit zu einem Drachen
aufbauschen konnten, war Kuba stets in der Lage, auf das Embargo der USA
zu verweisen und als Ausrede zu benutzen, warum die Wirtschaft so
schlecht lief. Gegenüber der Botschaft steht ein Denkmal zum Gedenken an
irgendwelche fünf Kubaner, die aus irgendeinem Grund irgendwann in den
USA festgenommen wurde und an dem jede Woche eine Demonstration
stattfand (das Volk verpasste dieser Veranstaltung einen Spitznamen, den
ich aber leider vergessen habe). Mittlerweile gibt es keine Demos mehr,
aber der Spruch in großen Lettern „PATRIA O MUERTO“ prangert immer noch
direkt vor dem US-Botschaftsgebäude.Zum Schluss wurde mir wieder vor Augen geführt, wie “speziell” die Beziehungen zu den USA wirklich sind. Im Hotel kann man die CUC-Pesos zwar in US Dollars, nicht aber in Euros, umtauschen, obwohl der Dollar-Umtausch in CUC mit einer Strafgebühr belegt ist. CUC-Euro kann man nur am Flughafen oder in den Banken zurücktauschen.
Persönliches Fazit
Ganz persönlich habe ich mich in Kuba vernarrt. Das Land ist im Kleinen anarchisch, im Großen chaotisch und zugleich immer noch irgendwie leger „sozialistisch“. Die Leute, mit denen ich gesprochen und diskutiert habe, sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Eine „Rassismus“ aufgrund der Gemengelage aus schwarz, weiß und gemischt habe ich nie entdeckt – wohl ganz einfach schon deswegen, weil weder „Rassismus“ noch „Anti-Rassismus“ ein Thema ist. Man spricht nicht über solch unwichtige Dinge. Ich möchte dem Land helfen sich zu entwickeln, im ganz Kleinem von unten nach oben. Dass ich da wohl ab und zu – auch bei Vorträgen – anecke, macht nichts und ich hatte immer das Gefühl, dass Kritik auch beide den Funktionären so eng nicht mehr gesehen wird.Wo sich das Land hinbewegt? Ein kubanischer Unternehmer sagt zu mir, Kuba werde nie „kapitalistisch“, aber es wird auch nicht „sozialistisch“ sein – es wird „kubanisch“. Vielleicht ist das genau der Weg, den Kuba gehen sollte – und ich wünsche mir eine gute Zukunft für dieses widersprüchliche, sympathische und in allem ein wenig exotisch wirkende Land.
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